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Klein(st)kinder in stationären Hilfen zur Erziehung in Niedersachsen
Die Unterbringung von Kindern unter sechs Jahren – insbesondere von Säuglingen und Kleinstkindern – stellt die stationäre Kinder- und Jugendhilfe vor besondere fachliche und strukturelle Herausforderungen. Im Zentrum steht dabei eine zentrale Frage:
Wie kann unter institutionellen Bedingungen Bindung, Stabilität und Entwicklungssicherheit gewährleistet werden?
Um dieser Fragestellung systematisch nachzugehen, wurde im Oktober 2025 ein gemeinsamer Prozess des Niedersächsischen Landesjugendamtes (NLJA) und des VPK Niedersachsen e. V. gestartet. Dieser ist in seiner Form besonders: Unterschiedliche Systeme arbeiten über einen längeren Zeitraum hinweg gemeinsam an einer fachlichen Weiterentwicklung.
Beteiligt sind unter anderem:
- Niedersächsisches Landesjugendamt
- Jugendämter
- Träger und Trägervertretungen
- Einrichtungen der Praxis
- Fachverbände
Der im Oktober 2025 begonnene Prozess umfasst mehrere aufeinander aufbauende Veranstaltungen. Bereits zwei Termine konnten erfolgreich durchgeführt werden. Ziel ist es, Perspektiven aus Praxis, Aufsicht und Verwaltung nicht nur nebeneinanderzustellen, sondern aktiv zusammenzuführen.
Erste Erkenntnisse aus dem Prozess:
Die bisherigen Rückmeldungen zeigen ein deutliches und konsistentes Bild:
- Bindung und Beziehungskontinuität sind zentrale Wirkfaktoren
- Personalmangel bleibt eine der größten Herausforderungen
- Strukturelle Rahmenbedingungen beeinflussen unmittelbar die Qualität der Betreuung
- Eine passgenaue Angebotsvielfalt für Kinder unter drei bzw. sechs Jahren fehlt vielerorts
Zugespitzt lässt sich festhalten: Ohne stabile Rahmenbedingungen keine stabile Entwicklung.
Die Ergebnisse werden durch eine begleitende Befragung gestützt, die eine hohe Übereinstimmung im Feld zeigt. Es handelt sich nicht um Einzelmeinungen, sondern um klare fachliche Entwicklungslinien.
Gleichzeitig wird deutlich: Die gelingende Unterbringung junger Kinder erfordert das Zusammenspiel von stabilen Bindungen, qualifiziertem Personal und tragfähigen Strukturen.
Kinderschutz, Beteiligung, Bindung und Beziehung als zentrale Leitlinien.
Gerade bei einer hoch vulnerablen Zielgruppe wie Kindern unter sechs Jahren kommt der Qualität pädagogischen Handelns eine besondere Bedeutung zu. Kinderschutz, Beteiligung, Bindung und Beziehung sind dabei keine isolierten Aspekte, sondern eng miteinander verwobene Qualitätsdimensionen.
- Kinderschutz bildet die unverzichtbare Grundlage und muss strukturell wie praktisch konsequent umgesetzt werden.
- Beteiligung bedeutet auch bei sehr jungen Kindern, ihre Signale wahrzunehmen und ernst zu nehmen.
- Bindung ist Voraussetzung für emotionale Sicherheit und gesunde Entwicklung.
- Beziehung stellt das zentrale Arbeitsmedium pädagogischer Fachkräfte dar
Frühe Erfahrungen prägen nachhaltig, wie Kinder Vertrauen entwickeln, Sicherheit erleben und ihre Umwelt erschließen. Die Qualität der Systeme entscheidet damit unmittelbar über ihre Entwicklungschancen.
Ein gemeinsamer Prozess mit Mehrwert.
Der besondere Wert des Prozesses liegt in der gemeinsamen Perspektiventwicklung:
- Systeme werden nicht isoliert betrachtet
- Spannungsfelder (z. B. zwischen Struktur und Fachlichkeit) werden offen benannt
- tragfähige Ansätze werden gemeinsam entwickelt
Es geht dabei nicht um schnelle Lösungen, sondern um eine fundierte fachliche Verständigung:
Was ist notwendig? Was ist möglich? Und wo liegen Grenzen sowie Gestaltungsspielräume?
Einladung zum Mitdenken und Mitgestalten
Um den begonnenen Dialog fortzuführen und für weitere Interessierte zu öffnen, laden das NLJA und der VPK Niedersachsen e. V. zu einem Online-Werkstattgespräch ein:
„Klein(st)kinder in stationären Hilfen zur Erziehung – gemeinsam weiterdenken in Niedersachsen“
📅 16. Juni 2026
⏰ 14:00 – 16:00 Uhr
💻 Online (Videokonferenz)
Das Werkstattgespräch bietet Raum für:
- Austausch von Praxiserfahrungen
- Diskussion zentraler Herausforderungen
- gemeinsame Weiterentwicklung fachlicher Perspektiven
Eingeladen sind Fachkräfte aus stationären Einrichtungen, Leitungen und Trägervertretungen, Mitarbeitende aus Jugendämtern, Vertreter*innen des Landesjugendamtes sowie alle Interessierten aus Praxis und Fachöffentlichkeit.
Der Prozess lebt vom Mitdenken, Mitdiskutieren und Mitgestalten.
Bringen Sie Ihre Perspektive ein und werden Sie Teil dieses Dialogs.